• Nadja Schubert-Crüger

Mein Weg in die Selbstständigkeit


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Der Weg in die Selbstständigkeit ist kein leichter... Wem sage ich das? Vor gut einem Jahr, am 1. April habe ich March & May gegründet und den Sprung ins kalte Wasser gewagt. Doch warum? Warum raus aus einem sicheren Angestelltenverhältnis, warum raus aus einer sicheren Bezahlung? Nun - in der Agentur in der ich zuletzt als Grafikerin fest angestellt war, konnte mir einfach nicht mehr das geben, wonach ich gesucht habe und war einfach nicht mehr das Richtige für mich. Wusste ich zu dem Zeitpunkt schon, dass ich mal selbstständig sein werde? NEIN! Zum Zeitpunkt meiner Kündigung hätte ich auf die Frage Selbstständigkeit mit einem klaren Nein geantwortet.

Selbstständigkeit? Das würde ja bedeuten, alles an Sicherheiten aufzugeben! Nein, danke.

Entgegen aller Meinungen und Vorstellungen war ich bis dato noch nie als Freelancerin angestellt oder beruflich tätig. Zu groß waren immer meine Ängste in Bezug auf das Thema Selbstständigkeit. Ich bin ein sehr sicherheitsbedürftiger Mensch und Selbstständigkeit bedeutet für mich immer, diese Sicherheiten aufzugeben. Doch nachdem ich gut gelaunt und wohl erholt aus meiner Auszeit auf Hawaii zurück kam, überkam auch mich die unerwartete Corona-Welle. Alles stand still, alle eingereichten Bewerbungen wurden abgesagt oder verschoben. Keine Firma konnte einem mehr Verbindlichkeit geben. Und so stand ich da...


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Der erste Lockdown motivierte mich dann schließlich dazu, einem kleinen Gedanken mehr Luft zu geben. Schon auf Hawaii habe ich mir Gedanken zu einer möglichen, eignen Firma gemacht und mir einen Namen ausgedacht. Auch die Dienstleistung stand für mich direkt fest. Doch bevor ich zur Gründung und dem steinigen Anfangsweg komme, hier ein kleiner Rückblick, wer das ganze Thema eigentlich ins Rollen gebracht hat.

Eine gute Freundin von mir, die selber Hochzeitsfotografin ist und die ich selber auf ihrem Weg zur unfassbar guten Fotografin begleiten durfte, fragte mich bereits ein Jahr nach meiner eigenen Hochzeit, bei der ich by the way die Papeterie komplett selber gemacht habe an, ob ich nicht mal Lust hätte, an einem sog. Styled Shooting mit zu machen. Ein Styled Shooting ist ein Inspirationsshooting, bei der sich Hochzeitsdienstleister zusammen tun und eine fiktive Hochzeit nachstellen, welche dann bei interessierten Blogs oder Hochzeitsmagazinen zu Marketingszwecken veröffentlich wird. Die Resonanz auf unsere eigene Hochzeitspapeterie war 2018 so groß, dass es mich ehrlich gesagt etwas überrannt hat. Mir erschien der Gedanke so surreal, dass meine Arbeit andere Brautpaare inspirieren könnte - doch meine liebe Freundin glaubte an mich und mein Können.


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Ich hatte weder eine Website noch ein Konzept, mit dem ich auf den Markt gehen könnte...

Ich bedankte mich lieb bei ihr und sagte ihr dennoch ab. Warum? Nun gut, zu diesem Zeitpunkt, wie oben schon erwähnt, kam das Thema Selbstständigkeit für mich so überhaupt nicht in Frage. Darüber hinaus hatte ich weder eine eigene Website, noch ein Konzept, mit dem ich an den "Markt" gehen könnte. Der Aufwand dahinter erschien mir zu dem Zeitpunkt schlichtweg zu groß. 2019 fing dann meine beste Freundin an, ihre eigene Hochzeit zu planen und kam mit der Frage auf mich zu, ihre Hochzeitspapeterie zu übernehmen.

Nach meiner Auszeit auf Hawaii und inmitten der coronageplagten Arbeitslosigkeit entschloss ich mich dann also, ein Kleingewerbe anzumelden. Ich erkundigte mich vorher ein wenig, was für Konsequenzen dies mit sich ziehen würde und beschloss, dass das Risiko vermeintlich gering ist. Gesagt, getan. Ich füllte das Formular zur Gewerbe-Anmeldung beim ortsansässigen Gewerbeamt aus und überwies die dafür notwendigen 20,00 € Anmeldegebühren. Und da war es nun, das große Fragezeichen - und nun?

Wenige Tage später bekam ich die postalische Bestätigung und hatte ein angemeldetes Kleingewerbe mit dem Namen "March & May".

Das Gefühl, ein eigenes Kleingewerbe angemeldet zu haben, war echt was ganze Besonderes für mich und einfach nur überwältigend. Das war der Anfang. Ab da ging alles los...

Es fehlte eine Website, es fehlte ein Konzept, es fehlten Texte, Bilder und Social Media Accounts. Corona zog sich hin und so auch meine Arbeitslosigkeit. Bis spät in den Sommer hinein hatte ich allerhand mit den o.g. Themenbereichen zu tun. Ich baute mir eine eigene Website, designte mir ein eigenes Logo, erschuf mein firmeneigenes Corporate Design, bestellte Visitenkarten, ging bei Instagram online. Ich nahm an einem Instagram-Workshop teil, um mehr über dieses Medium und die damit einhergehenden Möglichkeiten zu erfahren - denn ich sah meine Zielgruppe ganz klar dort.

Ich erstellte mein eigenes Pricing, welches für mich bis dahin die größte Herausforderung darstellte! Sich und seine Leistung selber einzupreisen raubt einem viele Nerven. Was koste ich? Was kostet meine Dienstleistung? Was bin ich wert? Eine Zeit, an der ich schnell anfing, an mir selbst zu zweifeln. Doch mein Mann unterstütze mich nur wo es ging und ist bis heute meine größte Stütze. In der Zwischenzeit kamen dann die ersten Anfragen für Styled Shootings und auch das mit meiner befreundeten Fotografin wurde nachgeholt. Man wuchs mit den Aufgaben und es wurde einfach nicht langweilig. Im Gegenteil - man wuchs über sich hinaus und lernte unfassbar viel dazu. Doch eines blieb die gesamte Zeit über... Die Ungewissheit, wie es beruflich weiter gehen soll.

Ich war nervlich am Ende - so viele Bewerbungen musste ich noch nie in meinem Leben verschicken. Wie sollte das nur weiter gehen?

Bereits Ende September hatte ich mehr als 70 Bewerbungen geschrieben, einige Gespräche gehabt und unzählige Absagen. In mir staute sich immer mehr Angst und Verzweiflung. Auf der einen Seite der Tatendrang, etwas ganz Neues zu erschaffen, auf der anderen Seite große Zukunftsängste. Dies zog sich bis zum Ende des Jahres hin. Ende Dezember 2020 hatte ich über 90 Bewerbungen geschrieben und war nervlich nur noch ein Wrack. Es gab unzählige Tage, an denen ich nur noch weinend zusammenbrach und nicht mehr wusste, was ich tun sollte. Viele Gespräche mit Freunden und Bekannten und dem Arbeitsamt, welches mir dann noch mitteilte, dass Ende Januar 2021 mein Arbeitslosengeld endete.

Grandios - ich stand vor der Frage der Fragen - wie geht es weiter?


© ginawalkowiakphotography


Mein Umkreis ermutigte mich immer mehr, das Thema Selbstständigkeit in Betracht zu ziehen und konfrontierte mich mit der Frage, warum ich so ängstlich sei. Nach einigen Auseinandersetzungen mit dem Arbeitsamt und ein möglichen Gründerzuschuss, der mir dann nicht mehr zustand, entschloss ich mich zu einem Gründer-Coaching, welches ich von der Arbeitsagentur bezahlt bekam. 7 Wochen, 2x die Woche à 4 Stunden. Schon nach den ersten beiden Sitzungen hatte ich das Gefühl, wieder mehr Ordnung in meinen mentalen Zustand zu bekommen. Fragen zu klären, was ich eigentlich will, was ich erreichen möchte, wer ich bin und wo ich mich sehe... Schnell stellte sich heraus, dass ich beides möchte. Die Sicherheit einer Anstellung und die Freiheit der Selbstständigkeit. Warum nicht beides verbinden? In Deutschland ist dahingehend so viel möglich und es öffneten sich so viele neue Möglichkeiten für mich. Fest stand, dass ich innerhalb des Coachings weitere 12-15 Bewerbungen raus schickte, ich aber wusste, dass ich dies nicht mehr will. Ich fokussierte mich auf March & May, schrieb einen Businessplan und überarbeitete noch einmal mein Konzept. Und nun stehe ich da und bin seit Anfang Februar 2021 in der Vollselbstständigkeit. Zwei Entscheidungen bzgl. einer Teilzeit-Anstellung stehen derzeit noch aus. Update folgt...

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